Mikroplastik und Gesundheit – unsichtbare Gefahr im Alltag?
Live-Übertragung der Montagsakademie am Retzhof
Die Montagsakademie bietet allgemein verständliche Vorträge aus der Welt der Wissenschaft. Wir vom Retzhof sind Kooperationspartner und übertragen die Vorträge live am Retzhof mit der Möglichkeit an der anschließenden Diskussion teilzunehmen. (montagsakademie.uni-graz.at)
Leitthema: Leben im Gleichgewicht? Ressourcen – Resilienz – Nachhaltigkeit
Das Gleichgewicht halten – das lernen wir schon als Kinder, erst beim Laufen, später etwa beim Radfahren. „Gleichgewicht“ wird aber auch auf den Umgang mit der Natur, auf unsere Ressourcen und gesellschaftliche Verhältnisse bezogen, wie z. B. unsere Vorstellungen von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Faktenwissen und das Hinterfragen von geltenden Werten und Normen allein führen noch nicht zum Handeln. Wir müssen aber handeln und „Resilienz“ im Sinne einer Widerstandsfähigkeit aufbauen, um unsere Gesellschaft weiterzuentwickeln und Krisen zu bewältigen. Das aktuelle Programm der Montagsakademie lädt Sie ein, sich mit diesen Themen aus der Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zu beschäftigen.
Zum Vortrag: Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNPs) sind weltweit in Umwelt und Nahrungsketten nachweisbar und wurden auch in menschlichen Geweben wie Blut, Plazenta und Lunge gefunden. Eine zentrale wissenschaftliche Frage ist, wie diese Partikel in den Körper gelangen und welche Auswirkungen sie haben könnten. Lange war ihr Nachweis schwierig, doch neue Technologien ermöglichen inzwischen eine direkte, zerstörungsfreie Detektion. Moderne spektroskopische Verfahren wie der optischen photothermischen Infrarotspektroskopie (O-PTIR) machen MNPs in Gewebeproben bis in den Submikrometerbereich sichtbar. Darüber hinaus ermöglichen kombinierte Analyseansätze, etwa unter Einsatz von ICP-MS, Röntgenfluoreszenz-Bildgebung (XFI) und Imaging Mass Cytometry, erstmals eine quantitative Verfolgung von MNPs im Körper. Dadurch lassen sich Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung dieser Partikel in experimentellen Modellen detailliert untersuchen. Experimentelle Studien zeigen, dass MNPs von Zellen aufgenommen werden und teils länger im Gewebe verbleiben. In Krebszellmodellen konnten sie sogar während der Zellteilung an Tochterzellen weitergegeben werden. Kleinere Partikel können zudem Zellbewegungen beeinflussen, was auf mögliche biologische Effekte hindeutet. Weitere Untersuchungen legen nahe, dass sehr kleine Partikel unter bestimmten Bedingungen biologische Barrieren, wie etwa die Blut-Hirn-Schranke, überwinden können. Dabei spielen Eigenschaften wie die Oberflächenstruktur der Partikel und deren Wechselwirkung mit Proteinen („biomolekulare Corona“) eine entscheidende Rolle. Unsere eigenen Studien in Tiermodellen zeigen zudem, dass MNPs bei entzündlichen Darmerkrankungen mit Veränderungen des Immunsystems und des Darmmikrobioms einhergehen können.
Zur Person: Prof. Lukas Kenner ist Professor für Pathologie an der Medizinischen Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie Gastprofessor für Molekularbiologie an der Universität Umeå (Schweden). Seine Forschung konzentriert sich auf molekulare Mechanismen der Krebsentstehung, insbesondere bei Prostatakarzinomen, sowie auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik. Er leitet das microONE K1-Kompetenzzentrum für Mikroplastikforschung sowie das ChristianDoppler-Labor für Angewandte Metabolomics. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Novartis-Preis der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, und ist Associate Editor mehrerer internationaler Fachzeitschriften.
Eintritt frei!
Anmeldung unter office@retzhof.at oder unten über den Button "Buchen am Retzhof".
Sustainable Development Goals: SDG 3 Gesundheit und Wohlergehen, 3.8 Die allgemeine Gesundheitsversorgung
Bild: Uni Graz Montagsakademie
Bildungshaus Retzhof