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Leitthema: Leben im Gleichgewicht? Ressourcen – Resilienz – Nachhaltigkeit (II)
Das Gleichgewicht halten – das lernen wir schon als Kinder, erst beim Laufen, später etwa beim Radfahren. „Gleichgewicht“ wird aber auch auf den Umgang mit der Natur, auf unsere Ressourcen und gesellschaftliche Verhältnisse bezogen, wie z. B. unsere Vorstellungen von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Faktenwissen und das Hinterfragen von geltenden Werten und Normen allein führen noch nicht zum Handeln. Wir müssen aber handeln und „Resilienz“ im Sinne einer Widerstandsfähigkeit aufbauen, um unsere Gesellschaft weiterzuentwickeln und Krisen zu bewältigen. Mit dem Programm der Montagsakademie 2026/27 wird das Leitthema des vorigen Studienjahres fortgeführt.
Zum Vortrag: PFAS werden häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Diese große Gruppe industriell hergestellter fluorierter Verbindungen ist in zahlreichen Alltagsprodukten zu finden, etwa in wasser- und schmutzabweisenden Materialien, Verpackungen, technischen Beschichtungen oder Feuerlöschschäumen. Viele PFAS sind äußerst langlebig, können sich über Wasser, Luft und Böden verbreiten und gelangen dadurch auch in Pflanzen, Tiere und den menschlichen Körper. Doch wie lassen sich Stoffe nachweisen? Der Vortrag gibt einen allgemein verständlichen Einblick in die moderne Umweltanalytik und zeigt, wie Forschende PFAS sichtbar machen, ihre Verteilung untersuchen und die noch unbekannten Anteile der Fluorbelastung aufspüren. Anhand aktueller Forschungsbeispiele wird erläutert, wie PFAS in Wasser, Böden, Lebensmitteln und biologischen Proben untersucht werden können. Abschließend wird der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten es gibt, die Freisetzung dieser langlebigen Stoffe zu vermeiden, belastete Stoffströme besser zu erfassen und PFAS aus Wasser und Umwelt zu entfernen oder gezielt zu zerstören.
Zur Person: Jörg Feldmann ist Professor für Analytische Chemie am Institut für Chemie der Uni Graz und leitet dort den Bereich für Spuren- und Elementspeziesanalytik sowie das Institut für Chemie. Zuvor war an der UBC in Kanada und mehr als zwanzig Jahre an der University of Aberdeen in Schottland tätig. Seine preisgekrönte Forschung untersucht, wie chemische Elemente und Schadstoffe in der Umwelt vorkommen, sich verändern und in Organismen aufgenommen werden und so Gesetzgebung initiierte, zum Beispiel die Richtlinien für den maximalen Gehalt an anorganischem Arsen in Reis. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeitsgruppe liegt heuer auf PFAS und anderen fluorierten Verbindungen. Dafür entwickelt und nutzt das Team innovative analytische Verfahren, mit denen nicht nur bekannte Einzelstoffe, sondern auch die gesamte Fluorbelastung, bislang unbekannte Verbindungen sowie fluorhaltige Mikro- und Nanopartikel untersucht werden können. Ziel ist es, analytische „Blindstellen“ zu schließen und damit eine verlässlichere Grundlage für Umweltüberwachung, Risikobewertung und wirksame Gegenmaßnahmen zu schaffen.
Die Montagsakademie bietet allgemein verständliche Vorträge aus der Welt der Wissenschaft. Wir vom Retzhof sind Kooperationspartner und übertragen die Vorträge live am Retzhof mit der Möglichkeit an der anschließenden Diskussion teilzunehmen. (montagsakademie.uni-graz.at)
Sustainable Development Goals: SDG 3 Gesundheit und Wohlergehen, 3.8 Die allgemeine Gesundheitsversorgung
Eintritt frei!
Bild: Uni Graz Montagsakademie