Geschichte des Hauses

Im Herzen der südsteirischen Weinstraße, nahe Leibnitz, liegt der einstige Edelmannsitz Schloss Retzhof. Unweit des Hauses fließt die gründe Mur in Richtung des nahen Richtung Slowenien. Es gibt entlang des Flusses noch eine weitgehend unberührte Aulandschaft mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna. Kein Wunder, dass jedes Jahr tausende Radfahrer gerne dem Lauf des Flusses auf den gut ausgebauten Mur-Radwegen folgen.

In der Nähe des Retzhof liegt die einst größte Römerstadt auf heutigem steirischem Boden: Flavia Solva (1. – 5. Jhdt. n.Chr.). Zahlreiche Steine dieser antiken Römerstadt wurden zum Bau des Retzhof verwendet. Dessen Geschichte reicht, urkundlich erwähnt, bis in das 14. Jhdt. zurück. Vielleicht ist das Haus aber noch bedeutend älter.

Der Name „Retzhof“ ist aus dem 15. Jhdt. überliefert. Das Brüderpaar Caspar und Balthasar Retzer wurde damals mit dem Anwesen belehnt. Die Salzbuger Lehensherrschaft in der Leibnitzer Gegend ging Ende des 16. Jhdts. auf das Bistum Seckau über. Der damalige Bischof Martin Brenner baute das Anwesen zu seinem Alterssitz aus. Der Renaissance-Innenhof des Hauses stammt aus dieser Zeit.

Der Retzhof war in der Folge im Besitz zahlreicher adeliger Familien. Seine heutige bauliche Grundgestalt geht auf die baulichen Maßnahmen der Familie Herbersteiner und die der Trauttmansdorff zurück. Der letzte private Besitzer war die Familie des k.u.k. Rittmeisters Knapp. Deren Geschichte als Eigentümer der Liegenschaft war wiederum eng mit dem aufkommenden Nationalsozialismus in Österreich verwoben und reichte bis in die Nachkriegszeit. Das bereits recht desolate Schloss wurde im Nationalsozialismus als HJ-Gebietsführerschule verwendet. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges erwarb das Land Steiermark zunächst durch Pacht und dann durch Kauf die Nutzungsrechte der gesamten Liegenschaft. 1948 wurde auf Beschluss des Steiermärkischen Landtages das Volksbildungsheim für die gewerblich-kaufmännische Jugend gegründet. Die Geschichte des Bildungshauses begann.