Gedanken zur politischen Bildung

OSKAR NEGT, DEUTSCHER SOZIALPHILOSOPH & RETZHOF-MENTOR ZUR POLITISCHEN BILDUNG

(…) es ist richtig, die Arbeit des politischen Intellektuellen wird heute kaum Berge versetzen, aber sehr wohl kann sie sichtbare Hügel der Hoffnung produzieren, deren Grabensysteme eines Tages die Oberflächenwirklichkeit von Herrschaft und Unterdrückung zermürben können. Die lebendige Bodenhaftung des Intellektuellen, der etwas in der Welt verändern will, ist wesentliche Voraussetzung dieses Grabens. Ich bin sehr früh entschlossen gewesen, mich auf die Beackerung des gesellschaftlichen Bodens einzulassen.

Oskar Negt über sein Lieblingstier, den Maulwurf, und die Arbeit des politischen Intellektuellen. In: Demokratie lernen. Steidl Verlag 2012.

Kein Mensch wird als politisches Lebewesen geboren; deshalb ist politische Bildung eine Existenzvoraussetzung jeder friedensfähigen Gesellschaft. Das Schicksal einer lebendigen demokratischen Gesellschaftsordnung hängt davon ab, in welchem Maße die Menschen dafür Sorge tragen, dass das Gemeinwesen nicht beschädigt wird, in welchem Maße sie bereit sind, politische Verantwortung für das Wohlergehen des Ganzen zu übernehmen. Und vor allem: Demokratie ist die einzige politisch verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss – immer wieder, tagtäglich und bis ins hohe Alter hinein.

Oskar Negt: Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform. Steidl Verlag 2010.

Wir sind heute mit Aufgaben konfrontiert, für deren Lösung niemand eine unzweifelhaft erfolgversprechende Strategie vorlegen kann. In der kulturellen Suchbewegung, der wir uns öffnen müssen, um begründete Antworten auf die Herausforderungen zu finden, beginnen wir ein neues Experimentalstadium pädagogischer und erzieherischer Arbeit.

Oskar Negt in: Kindheit und Schule in einer Welt der Umbrüche. Steidl Verlag 2002.