Gemeinsame Grenzlandwanderung

30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs: Eine grenzüberschreitende Wanderung von Menschen aus „Hüben und Drüben“ an der südsteirischen Weinstraße

Bis heute ist der Grenzverlauf Österreich/Slowenien entlang der südsteirischen Weinstraße eine rare Sehenswürdigkeit: Streckenweise wird er durch die Mittelmarkierung der Straße definiert. Ein slowenischer Anwalt blockierte monatelang eine Straßenseite mit Betonquadern, da er diesen Teil des Landes als seinen Privatbesitz betrachtete. Die „alte“ Grenze ähnelt bis heute einer Geisterstadt, in der die Zeit seit den 60er Jahren konserviert zu sein scheint und die es im Jahr 2015 kurzfristig als „Fluchtrouten-Hotspot“ weltweit zu medialer Bekanntheit brachte. Ein steirischer Kulturpolitiker verweigert bis heute das Ziehen eines Grenzzaunes auf seinem Grundstück, sodass das „Loch im Zaun“ seitdem von österreichischen Grenzsoldaten bewacht wird. Das südsteirische Weinland ist also nicht gerade arm an Ereignissen und Kuriositäten, die das Leben der Menschen schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs (der in dieser Gegend so „eisern“ allerdings niemals war) und vor allem in der Zeit danach begleitet haben.

Im Rahmen einer geführten eintägigen Wanderung entlang dieser Grenze, die stets ihre eigenen Gesetze schrieb und hatte, soll an markante zurückliegende Ereignisse seit dem Fall des Eisernen Vorhangs erinnert werden. Letztendlich soll der Frage nachgegangen werden, was sich in diesen Jahren eigentlich verändert hat? Welche Erwartungen und Hoffnungen und Befürchtungen haben sich bei den Menschen auf beiden Seiten der Grenze erfüllt? Welche wurden enttäuscht und haben sich nicht bewahrheitet? Gibt es fundierte Schlussfolgerungen die sich daraus ziehen lassen und welche Veränderungsperspektiven scheinen nach wie vor erstrebenwert und realistisch zu sein? Wie steht es eigentlich heute um den europäischen Einheitsgedanken in dieser Region?

Die Wanderung soll von lokalen Fachleuten, MeinungsträgerInnen und AktivistInnen, diesseits und jenseits der Grenze, aus diversen gesellschaftlichen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Bildung, Kultur, usw.) begleitet und an ausgewählten Punkten mit fachlichen Inputs angereichert und kommentiert werden. Die tragende Rolle der Veranstaltung spielen allerdings die Menschen aus der Region, diesseits und jenseits der Grenze, die sich dieser Wanderung zwanglos anschließen und an den Gesprächen teilnehmen bzw. diese mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen ergänzen und bereichern können. Der „Wandertag“ soll nicht zuletzt ein großes, fröhliches, freundschaftliches und verbindendes Vernetzungstreffen von Menschen und Organisationen aus der Region Südsteirische Weinstraße, dies- und jenseits der Grenze, werden.

Wann: 05. Oktober 2019
Beginn: 10 Uhr
Treffpunkt: Ratscher Landhaus (Ottenberg 35, 8461 Ratsch an der Weinstraße)

Eine Anmeldung ist unter office@retzhof.at oder unter +43 3452/82788-0 erforderlich.

Die Teilnahme ist kostenlos
Dauer: ca. 2-3 Stunden

Von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) gefördert!